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zum Thema
Kopfschmerz
Ein Kopfschmerz kann in vielen Variationen auftreten. Wichtig
ist deshalb eine genaue Anamneseerhebung (= Abfrage der
Vorgeschichte). Diese erlaubt nicht
nur eine exakte Klassifikation (=
Bestimmung der Kopfschmerz-Art) und führt damit zu
einer differenzierten Behandlung, sondern kann
auch Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann richtungsweisend
für weiterführende Untersuchungen.
Systematik (=
Einteilung) der verschiedenen Kopfschmerz
-Formen:
1.
Primärer
Kopfschmerz:
Dieser
Begriff bezeichnet einen Kopfschmerz (Headache), der nicht als Krankheitszeichen auf
eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen ist. Er
gilt als eigenständige
Schmerzkrankheit, die im Gegensatz zum
symptomatischen (= als Folge einer
bekannten Krankheit auftretender) Kopfschmerz
nicht kausal (= ursächlich, gegen die
Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden kann (Soyka 1989).
1.1 Mig räne:
Bei der
Migräne tritt in typischer Weise ein anfallsartiger, bevorzugt halbseitiger
Kopfschmerz (Hemikranie) auf, begleitet
von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber
hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die
Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Ätiologie (=
Krankheitsursache) und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich noch nicht
sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich
zwei Gruppen: Mig räne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in
einfache, klassische und komplizierte Mig räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig räne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel
1994) sind:
|
-
M
igräne ohne Aura |
|
-
M
igräne mit Aura |
|
-
M
igräne mit typischer Aura |
|
-
M
igräne mit prolongierter Aura |
|
- Familiäre hemiplegische Aura |
|
-
Basilaris-Migräne |
|
- Migräneaura ohne Kopfschmerz |
|
-
M
igräne mit akutem Aurabeginn |
|
- Ophthalmoplegische
M
igräne |
|
- Retinale
M
igräne |
|
- Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer
M
igräne |
|
- Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
- Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
-
M
igräne -Komplikationen: |
|
Status
migraenosus |
|
Migränöser
Infar kt |
|
- Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig räne-Kopfschmerz
arten ist manchmal nicht
ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer Mig
räne (Aura) gelten
Sehstörungen, (halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie Dysphasie
(= Sprachausdrucksstörungen).
Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis
30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine Mig räne
mit prolongierter (=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und
weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbseitenlähmung
einhergehenden) Mig räne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der
Basilaris-Migräne geht der Kopfschmerz (Headache) mit Krankheitszeichen
des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen, sensible oder motorische
Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob der Kopfschmerz bei der ophthalmoplegische Mig
räne
(Schmerzattacken, die
mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der Mig
räne
zugeordnet werden kann.
Gleiches gilt für die periodischen Synd rome in
der Kindheit (anfallsartiger Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen
Mig räne" können auch
Bauchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu
Erbrechen auftreten, gelegentlich auch ein Temperaturanstieg, ohne daß ein Kopfschmerz (Headache)
vorliegt.
Bei der retinalen Mig räne ist der Kopfschmerz von
einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu
einer Stunde anhalten kann.
Als Mig räne-Komplikation ist der Status
migraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Kopfschmerz
-Dauer von
mehr als 72 Stunden Dauer, trotz Behandlung. Eine weitere Komplikation ist der migränöse
Infa rkt. Dieser liegt vor, wenn ein
ischäm ischer
(= durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt
nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (=
anfängliche Krankheitszeichen einer Mig
räne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Behandlung beim Mig räne-
Kopfschmerz:
Zunächst muß der Patient
eingehend über die Mig räneerkrankung aufgeklärt und über die
Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch
(= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende
Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden.
Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige
Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol
und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Behandlung des akuten Migräneanfalls: Ganz wichtig ist der Hinweis,
daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Mig räne-Kopfschmerz es eingetreten ist, sondern die
Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B.
Aspirinâ ) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von
ASS empfiehlt sich ein Versuch mit Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen Mig
räne ebenso
wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Bewährt
hat sich bei einem stärkeren
Migränekopfschmerz auch die Kombination von 1g ASS
mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes
Migränemittel bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist (= Mittel, das
dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) Sumatriptan
(Imigran®). Initiale (= anfängliche) Dosierung: 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter die Haut
gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kopfschmerz en maximal zwei Verabreichungen in
24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere
Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere
Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan
(Allegro®) und Eletriptan
(Relpax®). Zur
Behandlung von hemiplegischer, ophthalmoplegischer oder
Basilarismigräne sind
Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische
Pharmaka zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen
Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung
und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender
Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke nicht mehr als 4mg eingenommen werden
(Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier,
daß bei
Migränekopfschmerzen die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.)
strikt vermieden werden soll. Auf dieser Therapiestufe kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Mus kel) oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Mig
räne-Begleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam
(Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel)
sehr bewährt, auch unter dem Aspekt,
Analgetika (=
Schmerzmittel), zumal die
Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Wird der Mig räne-
Kopfschmerz von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen begleitet
(evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist die
Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr wirksam, zum Einnehmen
oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht
an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz
vor einem
Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Da
rm)
weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem
separaten Raum innerhalb einer Praxis, hat sich bei Mig räne die Verabreichung
einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit
10mg Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
sehr bewährt, bei heftigen
Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist im bereits voll entwickelten akuten
Kopfschmerzanfall wenig hilfreich.
Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen
Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika (=
Schmerzmittel) gar nicht oder in weit geringerer
Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren
vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner ven
supraorbitales (= Ner ven an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (= Ner ven am Hinterkop f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schlä fenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl der
Mig räne-Kopfschmerz
meist nur einseitig auftritt, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht
nur auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn ein heftiger Mig räne-
Kopfschmerz gehäuft (mehrmals pro Woche) auftritt, sind im Rahmen einer
stationären Behandlung schmerzseitige Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet der Kopfschmerz (Headache) in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender
Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation (= Anzeige) zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich
die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg Flunitrazepam (z.B.
Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B. Dominal forte®),
sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und 10-20mg
Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen
im
Migräneanfall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische (=
vorbeugende) Behandlung
bei Mig räne
-Kopfschmerz:
Nicht immer sind die Patienten bereit, auch im
schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so daß oftmals eine
ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung) sollte nur
dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken mindestens zwei mal pro Monat
auftreten. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation auch
gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status migraenosus,
eine prolongier te (= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser
Hirninfarkt
(=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig
räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig räne. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener
1989); beide Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol
(z.B. Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie (=
zu langsamer Puls) muß die Behandlung abgebrochen
werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher regelmäßige
Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der
Beta-Blocker in Bezug auf den Mig räne-
Kopfschmerz ist noch nicht sicher
bekannt. Diese Vorbeugung ist allerdings nicht für die
Basilarismigräne geeignet.
Zur Intervall-Behandlung beim
Migränekopfschmerz eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von
Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®)
sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten
eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren Mig räne
-An fällen leiden
und bei denen eine Behandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert (=
gegenangezeigt) ist bzw. keine ausreichende
Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich Cyclandelat (Natil®) zur Prop hylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) bei Mig räne-
Kopfschmerz besteht in der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken). Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der Mig räne. Lisurid (Cuvalit®),
ein Ergota min -Derivat, ist ein Serotonin-Partialantagonist. Die Tagesdosis
beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird
diese Substanz bei uns kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht
überzeugt haben.
Zur Prop hylaxe der Kopfschmerz
en bei der sog. menstruellen (=
regelbedingten) Mig räne
soll Sulpirid
(Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg
Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat
der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vor beugung des Mig räne -Kopfschmerz
es umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern
dafür nicht verwendet.
Zur
Migräneprophylaxe soll auch das Antiepileptikum (=
Mittel gegen die Fallsucht) Gabapentin (Neurontin®) eingesetzt werden können,
möglicherweise gilt dies auch für Pregabalin.
Wenn die
Kopfschmerzanfälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche)
auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen,
ist nach unserer Erfahrung bei
Migränekopfschmerzen auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie
über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich konsequent
durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben
wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Ner ven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandlung
durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die Halswir belsäule
angrenzenden Mus kulatur.
Die Wirkungsweise dieser Behandlung ist beim Mig räne-
Kopfschmerz nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden
neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem
neuraltherapeutischen Konzept, allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur Mig räne
-Behandlung:
Meist werden die
folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie (=
alleinige Behandlung) ist die Wirkung in der
Migränetherapie in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen
Indikationen für die
Akupunktur ist der Kopfschmerz (Headache). Zur Behandlung des Mig räne
-Kopfschmerz es dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so
z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte
der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß
auch für die Behandlung der
Migränekopfschmerzen mit
Akupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane
Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
kann beim Mig räne-
Kopfschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer
Schmerzattacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer
Migräneattacke verhindern.
Bei vielen Mig ränepatienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die an die Halswir belsäule angrenzende
Mus kulatur, teilweise auch die Schultermuskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (z.B. Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik
als ergänzende Behandlung bewährt. Manchmal kann bei Mig räne-
Kopfschmerz
auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Linderung erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei Mig räne auch die Hydrotherapie
in Form von Wechselbädern der Ext remitäten
(=
Ar me und B eine) und/ oder Kneippschen Güssen.
Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende positive Effekt auf einer
neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei Mig räne auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Auch
psychologischen Interventionen können
einen Mig räne-
Kopfschmerz lindern:
hauptsächlich Entspannungstechniken, Streß- und
Schmerzbewältigungstraining.
1.2
Cluster-Kopfschmerz
(Cluster
Headache):
Synonyme
(= weitere Bezeichnungen)
für diese eigenständige, von der Mig räne und der
Trigeminus-Neuralgie
abzugrenzende Kopfschmerz -Art sind:
Erythroprosopalgie,
Bing-Horton-Kopfschmerz,
ziliare Neuralgie und N.
petrosus-Neuralgie.
Die Krankheitsursache ist
unbekannt.
Hauptsymptom (= vorherrschendes Krankheitszeichen)
bei
Clusterkopfschmerzen ist der streng
einseitig, in aller Regel periorbital (=
um das Auge herum) oder frontotemporal (=
Stir n-/Schläfenbereich betreffend) in
Attac ken
und vorwiegend nachts auftretende Schmerz von unerträglicher Intensität und
einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der
Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch
nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges,
evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte
(partielles Horner-Synd rom) sowie Nasenträufeln als Begleiterscheinungen.
Manchmal treten beim
Cluster-Kopfschmerzen (Cluster-Headache) auch Übelkeit und Brechreiz auf, was
zu Verwechslungen mit der Mig räne führen kann.
Im Gegensatz zu
Mig ränepatienten sind Patienten mit Clus ter-
Kopfschmerz eher unruhig und laufen während dem
Kopfschmerzanfall umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt
als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme
Schmerzintensität können zur Verwechslung mit der
Trigeminusneuralgie Anlaß
geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer-
und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und Nitroglyzerin,
öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in Form von
Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest, um die
Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Behandlung bei Clus ter-
Kopfschmerz:
Ein statistischer Erfolgsvergleich
unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß
Cluster- Kopfschmerz
en meist schubartig verlaufen, d.h. monatelange, in
Ausnahmefällen sogar jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese
Kopfschmerz -Form. Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende) Kopfschmerz
en ist es auch beim
Clus ter-
Kopfschmerz oftmals erforderlich,
die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die
optimale herauszufinden.
Behandlung der akuten Clus ter-
Kopfschmerz -Attac ke:
Wegen der häufig
kurzzeitigen Attac kendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die
innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale (=
Tabletten, Tropfen) und rektale (=
Zäpfchen) Verabreichung von z.B.
Ergota min ist
daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff
über Maske ist eine bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die
Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode
hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten
der Krankenkassen verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten
Migräneattacke spricht der akute
Clus ter-
Kopfschmerz (Clus
ter-
Headache)
in der Regel auf die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
an. Bewährt hat sich die
Betäubung der schmerzseitigen Ner ven
supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St irn-
/Schlä fenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den Oberk iefer
muß der
Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(= örtliche Betäubungsmittel) der ersten Wahl ist
bei uns das langwirkende Bupivacain 0,5% (z.B. Carbostesin®). In hartnäckigen
Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal
täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären
Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte Betäubungen des
Ganglion stellatum (=
eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim Clus ter-
Kopfschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale
Instillation (= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®) (=
ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop f (Pfaffenrath
1988).
Wirksam ist beim Clus ter-
Kopfschmerz (Clus
ter- Headache) auch
Ergota min. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein
Ergotamin-Kopfschmerzen ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann
auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränemittel Sumatriptan
(Imigran®, bzw. auch andere Triptane) ist auch beim Clus ter-
Kopfschmerz
sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt (6 mg)(auch mit Autoinjektor
vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg oral (=
durch den Mund). Bei Wiederauftreten von Schmerzen
maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993).
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den
gewünschten Erfolg bringen.
Prop hylaxe (= Vorbeugung) bei Clus ter-
Kopfschmerz:
Als
Mittel der Wahl gilt der Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®).
Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der
Wirkungsmechanismus von Verapamil bei Clus ter-
Kopfschmerz ist unbekannt.
Neue
Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei Clus ter
mit gutem
Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Anfang) unter
ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann beim Clus ter-
Kopfschmerz
Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®, Quilonum®). Lithium soll
bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim Clus ter-
Kopfschmerz wirksam
sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des
therapeutischen Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung
versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5-
8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®) (=
ein Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur Clus ter-Kopfschmerz-Prop hylaxe verwendet werden.
Teilweise
wird empfohlen, zur Clus ter-
Kopfschmerz -Prop hylaxe regelmäßig täglich
Ergota min zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen
Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten
Ergotamin-Kopfschmerz zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop hylaxe des Clus ter-
Kopfschmerz
es hat sich bei uns auch die
wiederholte therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der
schmerzseitigen Hinterkopfregion
Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren (=
betäuben) wir dann auch die Ner ven
occipitales
major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen,
weil dann diese Behandlung konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über
einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung
fallen in der Regel die
Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle
allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen beim Clus ter- Kopfschmerz:
Anders als z.B. bei der Mig räne spielen beim Clus ter-
Kopfschmerz
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben beim Clus ter-
Kopfschmerz
nur selten einen positiven Effekt.
1.3 Zu erwähnen wäre noch das seltene, clusterähnliche
SUNCT-Syndrom. Dabei kommt es zu 15 bis 120
Sekunden lang anhaltenden, einseitigen Sch merzattacken
um das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion (= Sichtbarwerden feiner Blutgefäße
im Auge als Folge von Blutfülle), Lakrimation (=
Tränenfluß) und Nasenträufeln. Zusätzlich besteht ein
gleichseitiges Gesichtschwitzen, das aber meist nur gering ausgeprägt ist.
1.4
Primärer Kopfschmerz, der
weder dem Mig räne- noch dem Clus ter-
Kopfschmerz zuzuordnen ist
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar eigenständige Kopfschmerz
-Bilder
wie
Kopfschmerz
vom
Spannungstyp,
vertebragener oder
zervikogener Kopfschmerz
(= von der Halswir belsäule ausgehender
Kopfschmerz),
Anstrengungskop fschmerz,
Okzipitalneuralgie (=
Nervenschmerzen im Bereich des Hinterkopfes) oder
Hemicrania continua (= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz) zusammen. Allen Formen
gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine eindeutige
Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen, willkürlich ist.
Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen
Migräne
- oder
vasomotorischer Kopfschmerz
(= von Blutgefäßen
ausgehender Kopfschmerz) möglich.
Spannungskopfschmerz (oft auch
als
Kopfschmerz vom Spannungstyp
bezeichnet):
Der Kopfschmerz vom Spannungst yp
ist von allen genannten Begriffen am wenigsten klar
definiert. Der Begriff wird deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie (= die verschiedenen
Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht
einheitlich angegeben. Nach Meyer (1989) ist die Lokalisation wechselnd,
oft fronto/okzipital (= im Stir n/Hinterhaupt-Bereich auftretend), |